Die Gesellschaft im Wandel der Zeit

  • Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit,

    ein bisschen mehr Güte und weniger Neid,

    ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass,

    ein bisschen mehr Wahrheit, das wär doch schon was.

    Statt soviel Hast ein bisschen mehr Ruh’.

    Statt immer nur ich, ein bisschen mehr Du!

    Statt Angst und Hemmungen ein bisschen mehr Mut

    und Kraft zum Handeln, das wäre gut.

    Kein Trübsinn und Dunkel, mehr Freude und Licht.

    Kein quälend Verlangen, ein froher Verzicht

    und viel mehr Blumen so lange es geht,

    nicht erst auf Gräbern, da blühn sie zu spät!

    Peter Rosegger (1843 - 1918)

    Dieses Gedicht ist bereits über hundert Jahre alt, wenn ich es lese, denke ich, es ist auch heute noch aktuell.

    Das Miteinander war anscheinend schon immer von diesen Gefühlen geprägt. Also ist der Satz, "früher war alles besser", auch nicht richtig.

    Ich sitze hier und überlege mir Dinge, die früher besser waren, oder heute besser sind. Das ist gar nicht so einfach. Einmal abgesehen von der technischen Weiterentwicklung sehe ich nicht viel, was besser ist und was früher besser war. Ich muss da wohl noch länger nachdenken, was sich verschlechtert und was sich verbessert hat, ob ich da Beispiele finden werde?

    Vielleicht kann der eine oder andere von euch etwas dazu sagen.

    Liebe Grüsse

    Arlette

  • Hallo zusammen,

    Das Gedicht ist schön. Aus meiner Sicht verdeutlicht es, dass es wertvoll ist, sich eingehender mit bestimmten Themen zu beschäftigen. Tun wir es nicht, wird sich die Vergangenheit wiederholen, weil wir unser Verhalten nicht ändern. Wir werden es einfach nicht besser wissen, als unsere Vorfahren.

    Mir bereitet es etwas Sorge, zu beobachten, wie die Autokraten aus dem Boden spriessen wie die Pilze. Selbst ein Trump ist ein denkbares Szenario. Es wird niemals reichen, einen Krieg zu gewinnen, um Frieden zu schaffen, machen wir uns nichts vor. Wir müssen wieder miteinander sprechen, aufeinander zugehen lernen. Das bedeutet, dass wir das Ich überwinden und ins WIR eingehen dürfen. Das war der Wunsch von Peter Rosegger, der nur realistisch wird, wenn wir ihn umsetzen.

    Statt immer nur ich, ein bisschen mehr Du!

    Vielleicht sollten wir aus dem Du sogar ein WIR machen: „Statt immer nur ich, ein bisschen mehr WIR!“ Alles ist verbunden. Bin ich zufrieden, in Licht und Liebe, jemand greift aber mein Land an, ist nichts mehr mit Frieden. Wir sollten es irgendwie schaffen, dass kein Zorn mehr in der Welt herrscht, dann greift auch keiner mehr an. Das sind grosse Visionen, das ist mir klar. Letztlich aber, ist das der einzige Weg, der dauerhaft funktionieren wird und Frieden bringt.

    Ich glaube nicht, dass es früher besser war, es war einfach anders. Die Probleme sind dieselben geblieben, wie uns das Gedicht verdeutlicht. Ausser, wir gehen den Weg des Bewusstseins und der Freude. :)

  • Was mir früher besser gefallen hat, war die "Mehrgenerationen Familie." Das vermisse ich heute schon und ich bin überzeugt, dass viele heutigen Probleme innerhalb der Familien nicht wären.

    Bei mir war es so, dass 4 Generationen unter einem Dach gelebt haben. Es war ein großes Haus, so dass alle 12 Bewohner genügend Platz hatten. Das schönste war, es war immer jemand da. Jeder hat sich um jeden gekümmert. Die Kinder mussten nicht in Betreuung, während ihre Eltern arbeiten waren. Selbst unsere Urgroßmutter spielte eine wichtige Rolle, auch wenn sie körperlich nicht mehr fit war, so saß sie doch in ihrem Sessel, hat uns Geschichten erzählt und mit uns gesungen. Auch in der Nachbarschaft wurde das Wir großgeschrieben, die Kinder spielten auf der Straße, die Erwachsenen waren oft draußen, um sich mit anderen zu unterhalten, jeder kannte jeden. Ich habe diese Zeit sehr genossen. Und heute? Nichts. Wir gehen in unser Haus oder in die Wohnung, schließen die Tür und das war es dann. Seine Nachbarn kennt man kaum noch, vielleicht mal ein kurzes Hallo, aber mehr auch nicht.

    Wenn ich intensiver darüber nachdenke, halte ich den Satz "Statt immer nur ich, ein bisschen mehr Du!" nicht für so abwegig. Vielleicht müsste man klein anfangen, mit einem Du, sich mehr auf einen Einzelnen konzentrieren und mit ihm in Kontakt treten, daraus könnte so eine Art "Schneeballsystem" entstehen.

    Wenn jedes Ich sich mit einem Du zusammentut und jedes Du wiederum mit einem anderen Du, was für eine Lawine könnte da losgetreten werden. ^^

    Ach, ich merke, ich fange wieder an zu schwurbeln, oder vielleicht doch nicht?

    Euch allen einen schönen Tag und versucht es mal mit einem Du, vielleicht schaffen wir zusammen dann das große Wir.

    Liebe Grüße

    Arlette

  • Ich finde Du schwurbelst überhaupt nicht, Arlette! :)

    Ich bin ein Einzelkind und mit voll berufstätigen Eltern aufgewachsen. Als ich eingeschult wurde, ist meine Oma (mütterlicherseits) bei uns eingezogen und hat sich um den Haushalt und um mich gekümmert, wenn ich aus der Schule nach Hause kam. Es war also auch immer jemand da.

    Heute ist nur noch meine Mutsch da und ich würde unheimlich gerne dieses Konzept weiterleben. Nicht zuletzt, weil ich leider nie die Freude erfahren habe, Mutter zu werden und ich auch meine Mutter nicht alleine lassen möchte, wenn sie irgendwann mal mehr Hilfe brauchen könnte (so sie die dann auch in Anspruch nehmen möchte). Aktuell ist tatsächlich sie diejenige, die sich mit dem Gedanken (noch) nicht anfreunden möchte.

    Es gibt ja auch inzwischen andere Wohnkonzepte, die das Zusammenleben von nicht mit einander verwandten Familien in größeren Wohnprojekten ermöglichen, indem sie entweder gemeinsam bauen oder aber auch größere alte Häuser gemeinsam kaufen und sich gemeinschaftlich um alles kümmern, was damit zusammenhängt und an Arbeit anfällt.

    Insgesamt scheint sich da also langsam eine neue Richtung anzudeuten, die wieder mehr Miteinander zulässt, die mir persönlich auch sehr gefällt. :)

    :)

  • Prisma, Du sprichst mir aus der Seele, wie man so schön sagt.

    Die "Mehrgenerationenlösung" liegt mir sehr am Herzen und ich hoffe so sehr, dass viele sich damit mal auseinandersetzen. Ich mache mir schon lange darüber Gedanken, wie man das umsetzen könnte.

    Wenn ich ganz ehrlich sein soll, denke ich, dass meine Generation Ü60, einen gewaltigen Beitrag leisten könnte.

    Man ist im Rentenalter, noch fit und agil, noch kein Pflegefall, und was tut man? Man ruht sich auf den Lorbeeren aus, denkt, dass man in seinem Leben viel gemacht hat und seinen Ruhestand genießen sollte. Dabei könnte man doch noch soviel tun, ohne große Anstrengungen. Man könnte z.Bsp. für andere mitkochen, Kinder betreuen, pflegebedürftige unterhalten. Es gibt doch so vieles, was man tun könnte. Nicht böse gemeint, aber meine Generation ist faul und bequem geworden.

    Zurzeit kann ich leider nur meine Familie unterstützen. Ich koche für alle, kümmere mich um die Enkel, wenn die Eltern arbeiten. Unterstütze meine Schwiegermutter, da mein Schwiegervater ständige Pflege zu Hause benötigt. Ich muss bei ihr nicht kochen, oder putzen, auch nicht bei der Pflege unterstützen. Aber wenn meine Schwiegermutter Termine hat, schaue ich nach ihm und ja, bespaße ihn, da er nicht lange allein sein kann. Das macht mir keine Arbeit und kostet mich keine Energie, nur Zeit, die ich gerne aufbringe.

    Tja, meine Generation ist schon etwas bequem und vielleicht auch stur. Ich hoffe, dass es vielleicht mal einen Ruck in der Gesellschaft gibt und jeder erkennt, wozu er beitragen könnte, um das Leben für alle lebenswert zu machen.